Wandernde Felsen im Tal des Todes!
Auf mysteriöse Weise bewegen sich hier teils schwerste
Felsbrocken über den trockenen Boden und hinterlassen
dabei Furchen als Zeugnis ihrer Wanderung.
Gemeinsam mit US-Studenten hat sich nun auch die
NASA dem immer noch unerklärten Phänomen angenommen.
Ihren Ursprung nehmen die Felsbrocken mit einem Gewicht
zwischen 15 und 350 Kilogramm in den Hügeln und Bergen am
Rande der Ebene, von welchen die durch Erosion abbrechen.
Welche Kraft sie dann jedoch auf ihre teilweise endlos
erscheinende Reise schickt und wie es kommt, dass sie dabei sich nicht
nur schnurgerade aus, sondern auch in Kurven, Kreisformen und sogar
Zick-Zack-Pfaden bewegen, weiß bislang niemand so genau. Hinzu gibt es Steine,
die paarweise und synchron wandern. Während in den meisten Fällen die Pfade
nach teilweise mehreren Hundert Metern zu den sie verursachten Steinen führen,
sind andere Steine am Ende ihrer Wege spurlos verschwunden.
Erstmals dokumentiert wurden die sonderbar wandernden Steine des "Death Valley"
in den 1940er Jahren und sind seither Inhalt zahlreicher Theorien. Im vergangenen
Sommer führte die "Lunar and Planetary Sciences Academy" (LPSA) des "Goddard
Space Flight Center" der NASA eine Forschungsexkursion in die Racetrack Playa, um
den Phänomen auf die Spur zu kommen.
Auch wenn noch niemand die Steine bei Wandern direkt beobachten konnte und die
Verordnungen des Nationalparks das Aufstellen von Kameras unterbindet, gehen
bisherige Beobachtungen davon aus, dass einige der Steine sich sogar im Schritttempo
bewegen können.
Einfache Erklärungen wie jene, die vermuteten, dass die Steine entweder durch
Tiere, die Schwerkraft oder Erderschütterungen bewegt wurden, konnten schon
in früheren Jahren ausgeschlossen werden.
Bei ihren Untersuchungen ermittelten die Studenten der Universitäten von Alaska,
Wyoming, Princeton, Louisiana, Seattle, San Francisco, Slippery Rock, des "West
Virginia Wesleyan College" und dem "Massachusetts Institute of Technology" (MIT)
die Positionen sowohl der Steine als auch den Verlauf ihrer Pfade mittels GPS.
Zudem hatten sie bereits drei Monate zuvor sogenannte Hydrochronometer unter
einigen Steinen vergraben, mit denen die Forscher Temperatur und Feuchtigkeit im
Boden unmittelbar unter den Steinen dokumentieren konnten.
Die gewonnenen Daten bestätigen frühere Vermutungen, dass große Felsbrocken
schneller wandern als kleinere Exemplare. An jedem bisherigen Ende der Wegspuren
entdeckten die Studenten zudem kleine Erdanhäufungen. Doch während bisherige
Vermutungen davon ausgingen, dass diese Anhäufungen von dem Gewicht der Steine
herrührten, fanden die Forscher selbige auch am Ende jener Spuren ohne Steine.
Zudem überprüften die Studenten Steine und Pfade auf ungewöhnliche oder sich
verändernde Magnetfelder oder ungewöhnliche Strahlungen - ohne jedoch Belege
hierfür zu finden. Anhand von Grabungen widerlegten die Forscher auch bisherige
Annahmen, dass die Steine sich aufgrund leicht abfallenden Geländes bewegten.
Stattdessen zeigten die Untersuchungen, dass die Felsen sogar, wenn auch nur
minimal, leicht aufwärts wandern.
Ebenso konnten die Studenten frühere Vermutungen widerlegen, wonach die Steine
selbst Eigenschaften aufweisen könnten, die ihre Bewegung begünstigen könnten.
Eine Untersuchung der Steine zeigte, dass es sich in der Regel um ganz gewöhnlichen
Dolomit handelt, wie er aus den die Playa umgebenden Hügel und Bergen stammt.
Erneut bemühen sich die Forscher jedoch auch hervorzuheben, dass die Wege der
Steine nicht daher rühren, dass sie lediglich von den Hügeln herabgerollt sind - zu
weit führen die Pfade in die nahezu perfekte Eben der Playa hinaus.
Um derartige Felsbrocken zu bewegen bedarf es einer starken Kraft. In der Playa
selbst erscheint der Wind als durchaus geeigneter Kandidat für diese Kraftaufgabe.
Allerdings, das errechneten frühere Wissenschaftler, müsste dieser mit
Geschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern über die Ebene fegen, um
auch die größeren der Steine zu bewegen. Da die Winde in der "Racetrack Playa"
zwar stark sind, jedoch nicht die notwendige Kraft erreichen, konzentrierte sich
die Forschung der Studenten auch auf die Frage, was möglicherweise die Reibung
zwischen den Felsen und dem trockenen Lehmboden derart verringert, sodass auch
schwächere Winde die Steine bewegen können.
Hierzu evaluierten die Studenten unterschiedliche Thesen, wie sie über die Jahre
hinweg aufgestellt worden waren. Zu diesen zählt auch jene, die vermutete, dass
die Reibung sich durch Feuchtigkeit verringert, wie sie den sonst so trockenen Boden
mit einem leichten schleimigen Lehmfilm überzieht. Hierbei könnte es hinzu dazu
kommen, dass Algen, wie sie während der Trockenzeit im Boden schlummern,
erneut erblühen und somit die Reibung zusehends verringern. Tatsächlich zeigten
Experimente, dass der Boden der Playa schleimig werden kann. Dennoch brauche
es eine weitere unterstützende Kraft, um die Steine zu bewegen.
Diese Hilfe kommt möglicherweise in Form von Eis daher. Schon vor mehren Jahren
vermuteten Wissenschaftler, dass Gruppen von Steinen des Nachts von einer
Eisschicht umgeben werden könnten und auf dieser - von Winden getrieben -
in Fahrt geraten. Zumindest könnten so jene Felsen erklärt werden, die paarweise
und nahezu synchron nebeneinander herzuwandern scheinen. Nachdem diese
Erklärung jedoch nicht auf alle Steine anwendbar schien, wurde sie wieder
fallen gelassen.
Nun glauben die Forscher allerdings, dass sich unter den Steinen Eiskeile bilden
können, auf welchen dann selbst große Felsbrocken vom Wind bewegt werden
könnten. Derartige Eiskeile könnten auch erklären, warum einige Pfade schmäler
beginnen als sie enden, wenn der Stein durch den nach und nach
abschmelzenden Keil tiefer in der Lehmboden einsinkt als zu Beginn seiner Reise.
Derzeit arbeiten einige der Studenten an einer Studie, die belegen soll, dass ein
weiterer Parameter dazu führt, dass die Winde nun doch nicht die benötigte Stärke
erreichen müssen, um die Steine zu bewegen. Um welche es sich dabei jedoch
handelt, wurde bislang noch nicht verraten.
Eine weitere Studentengruppe verfolgt derzeit noch eine andere Hypothese. Nach
dieser spielt sogenannte Regelation eine wichtige Rolle. Dieser Prozess wird durch
Druckunterschiede zwischen zwei Seiten eines Objekts, in diesem Fall der
wandernden Steine, verursacht. Während Wasser auf einer Seite flüssig bleibt und
um den Stein zur anderen Seite fließt, bindet es Luftblasen auf der zweiten Seite,
wo es dann zu Eis gefriert. Genau dieser Vorgang könnte auch in der Playa
passieren und tatsächlich wurden im trockenen Lehmboden um zahlreiche Steine
blasenartige Strukturen gefunden. Mit dieser Theorie könnte dann auch erklärt
werden, wie die großen Steine wandern bzw. in diesem Fall gedrückt werden, da
dieser Prozess kein schwebeartiges Gleiten der Steine erfordert.
Copyright: NASA/GSFC
Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de

